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ODEVILLE > Pop/Rock
17/05/2019 - Hamburg - Schanzenzelt
Performing Artists:

Odeville

Zunächst die Fakten: Odeville ist eine Hamburger Band mit einer langen Geschichte. 2006 gegründet, zeugen ihre bislang fünf veröffentlichten Alben von einer wechselhaften Historie, stets angetrieben von dem Wunsch, als Band künstlerisch weiter zu kommen. Begonnen als eine deutsche Antwort auf die US-amerikanischen Emo-/Screamo- und Post-Hardcore-Bands mit englischem Shouting, dann der Wechsel zu deutschsprachiger Musik und mehr Zugänglichkeit – ohne dabei den Wunsch nach unkonventionellen Songstrukturen aufzugeben – bis hin zum letzten Album „Phoenix“, das in seiner klaren Orientierung hin zu einer einschmeichelnden Gefälligkeit zu ihrem bis dato poppigsten Werk geriet und ihnen viele neue Fans bescherte. über all diese Jahre und Platten bewiesen Odeville immer wieder, worum es ihnen letztlich geht: Sich immer wieder neu aufstellen und mit großer Eleganz und ungezügelter Ambition geile Musik erzeugen – ungeachtet aller Erwartungen, Schubladen und bereits erreichten Fankreise. Und nun also „Rom“, Album Nummer sechs, auf dem wieder vieles ganz anders und neu ist. Nicht nur für die Band selber, sondern auch generell innerhalb der Szene deutschsprachiger Rockmusik.

Wirklich neu an der Platte sei, findet die ganze Band, „dass wir nun eben keine Kids mehr sind. Wir akzeptieren unser Erwachsensein – und binden das auch in die Arbeit ein. Und in eine Selbstverständlichkeit unseres Tuns, das jetzt eben so sein muss, weil wir das fühlen.“ Ein nachgerade dramatischer Beweis für die These des Erwachsenseins fanden sie in dem Tatbestand, dass im Zuge des sich über fast zwei Jahre erstreckenden Zeitraums der Albumaufnahmen gleich vier der fünf Mitglieder ein Burn-Out hatten. „Wir waren alle schlicht und ergreifend komplett überarbeitet mit all den Jobs und Projekten, die wir neben Odeville noch machen“, erzählt Hauke. „Ich habe über den gesamten Zeitraum neben den Bandaktivitäten jede Woche rund 60 Stunden gearbeitet, andere Mitglieder hatten Schauspielprojekte, sind parallel noch umgezogen und hatten auch daneben viel auf der Uhr. Und dann sitzt du da im Studio, und alle bis auf den Drummer und den Produzenten sind komplett am Arsch. Die ganze Leichtigkeit der Aufnahmen zu 'Phoenix' war dahin, auch dieses Gefühl, dass sich alle einfach lieb haben. Stattdessen war das eine Grundstimmung, die man kaum beschreiben kann, wo wir extrem viel gegenseitige Negativiät ausgehalten und letztlich in etwas Kreatives umgewandelt haben. Im Nachhinein müssen wir unserem Produzenten unendlich dankbar sein, dass er es ausgehalten hat, mit vier kompletten Wracks zusammen dieses Album aufzunehmen.“ Er erzählt weiter, wie er zwei Wochen lang die gesamten Gesangsspuren aufnahm, und als diese im Kasten waren, „habe ich allen erzählt, wie unendlich glücklich ich in dem Moment war. Und am nächsten Tag ruft meine Schwester an, in Tränen aufgelöst, und berichtet mir, dass unser Vater gestorben ist. Zu dem Zeitpunkt waren viele der Texte noch so im Sinne von 'ich möchte gern Revolverheld in cool sein'. Ich bin dann runtergefahren, und da lag dann also mein Vater. Als ich dann zurück kam, habe ich sieben Songtexte noch mal komplett neu geschrieben und umgeschmissen. Denn viele der Texte waren einfach zu nett, sie waren letztlich belanglos. Und so fing ich an, Texte für meinen Vater zu schreiben, die aufrichtig und unverblümt sind.“ So etwa entstand der Text zu „Königreich“, und auch so erklären sich darin Kraftausdrücke wie „Fick dich“ – ein wahnsinnig starker, dringlicher Text, „für den ich 15 Minuten gebraucht habe“, so Hauke.

Es ist eine etwas abgenutzte Redewendung, aber selten traf sie so zu wie auf Odeville: Das einzig Beständige ist der Wandel, und gerade dafür kann und muss man diese Band so schätzen. Eine Band, die den ursprünglich aus dem US-Punk stammenden DIY-Gedanken bis heute und in aller Konsequenz weiter trägt – wie sich auch daran zeigt, dass Odeville „Rom“ nun, nachdem sie die letzten zwei Alben in Kooperation mit einem Label veröffentlichten, ganz auf eigene Faust herausbringen. „Wir sind es irgendwie eh gewohnt, alles selber zu machen, schon weil wir dann sicher sind, dass es so wird, wie wir uns das vorstellen“, sagt David abschließend. Damit geht die Band sicher nicht den leichtesten weg, aber das hat sie noch nie getan. Viel wichtiger sind all die Aspekte, die wahre Kunst letztlich auszeichnen: Glaubwürdigkeit. Substanzielle Tiefe und interpretatorischer Raum. Keine Begrenzungen, die der Markt oder ein aktueller Trend vorgeben würden. Eigenständigkeit, bis hin zur vorsätzlichen Mutwilligkeit in der Abgrenzung gegenüber Konfektions-Ware. Und in alldem eine signifikante Eigenständigkeit zwischen Melodiosität und kompositorischer Konfrontation, zwischen Eingängigkeit und eruptiver Roughness, zwischen dem Feiern des Moments und dem Erzeugen von etwas zeitlos Großartigem. Für all das kann man Odeville nicht hoch genug schätzen – und ihnen mit „Rom“ nur allen Erfolg wünschen, den sie mehr als verdient haben.

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