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Andreas Dorau >
21/10/2017 - 21/10/2017 - Köln - King Georg
Performing Artists:

Guten Tag. Ich mache nun schon seit ca. 3000 Jahren eine wiederkehrende Beobachtung: Die Welt und ihre Einwohner beschäftigen sich anstelle mit sich selbst ständig mit der Idee Liebe. Und dem Ärger der anderen. Manche machen das leidenschaftlich, viele zwanghaft, einige mit kostenloser Dummheit. Die meisten brauchen dafür viele Worte, sehr wenigen fällt dazu auch noch eine nötige Melodie ein. Höchster formaler Genuss ist in diesem Segment eher selten. Zum Glück haben wir und die anderen Andreas Dorau. Dessen 10. Studioalbum steht nun bereit. Es ist mindestens 20 (in der Deluxe-Variante noch mehr) Stücke schwer und sicher das psychologisch durchtriebenste Doppelalbum deutscher Sprache des Sommers. Produziert mit und von 10 verschiedenen Freunden, weit entfernten Fremden und naheliegenden Verdächtigen. Und geschrieben auch mit anderen Anderen (etwa Carsten Friedrichs und Maurice Summen oder Francoise Cactus und Wolfgang Müller). Faktenwillige schauen sich die imposante Liste der Beteiligten an und machen sich an die Arbeit der Differenzierung. Wir dagegen, wir widmen uns hier jetzt dem Kohärenten: Alle Stücke enthalten beste Feststellungen und erstaunlichste Erfahrungen. Hören Sie bitte, wie bei Andreas Dorau das Leben zur Schlussfolgerung wird. Malen Sie die traurigen Bilder mit, pflücken Sie sich die Äpfel der Liebe und Erkenntnis mit einem Griff, erfahren Sie eine angeschaute Realität, die gewinnend zurückblickt. Was diese ganzen Stücke zusammenführte, ist wohl Fügung. Die Möglichkeiten eines Andreas Dorau sind viel größer als man meinen könnte: Die Identitätssuche als Identität, die Biographien anderer als Augenschein der eigenen. Ein paar Stücke erzählen von der Liebe (nicht über sie), einige widmen sich Lebensläufen, mehrere dem Nebel eines Seins im Schein, noch andere dem irdischen Außen. Soll ich hier die Songtitel einfügen oder hören Sie selber hin? Danke. Und die Musik? Ein musikalischer Wolpertinger! Vorne freundlich, hinten böse. Oder sagen wir, es ist alles Post-NDW? Richtungen, die danach kamen, wie House und Zuhause-Elektronik, werden wohlwollend und gern genommen. Richtungen, die davor kamen wie Beat, Wave und Softrock, werden ebenso wohlwollend eingenäht. Die Musik ist keinem Genre verpflichtet, durchwandert Dance und Pop. Doraus musikalische Webmaschine arbeitet alchemistisch und lässt Stücke zurück, deren Inhaltsstoffe nur noch eine Zentrifuge von spießigen Musikwissenschaftlern zu trennen vermag. Lassen wir die Musik doch sein, was sie will. Mit diesem Werk will Andreas Dorau übrigens in die Charts. Mit einem Album war er es rätselhafterweise noch nie. Nur diverse seiner Singles, was ihn enorm ärgert, da er die Charts außerordentlich liebt. Einmal möchte er seinen Namen in dieser Liste der Erwachsenen sehen! Und wird das schaffen. Ich kenne kaum eine danceable Platte, die auch so viel Inhalt bietet wie diese. Und mit ihren (wie stets bei Andreas Dorau) erstklassigen Hooks und ihrer erhellenden Aura eines Konzeptalbums so schön seiner Schwere enthebt. Treffender als mit diesem Songblatt kann man dem Wolpertinger (ästhetisch die eierlegende Wollmilchsau der Moderne) die Outline eh nicht zeichnen. Gut, dass das das Covermotiv ist.
Mit den guten Grüßen eines Dieners der Sache, Gereon Klug
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